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PHYTOPLANKTON ALS BELASTUNGSANZEIGER IN FLIEßGEWÄSSERN FÜR DIE WRRL
Seen und Fließgewässer stellen sehr unterschiedliche Habitate der Oberflächengewässer dar, deren Artzusammensetzung und Biomasse jeweils anders auf Belastungsgrößen reagieren. Die neue europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert die Entwicklung von Bewertungsver-fahren, die die biologische Antwort von vier Biokomponenten auf unterschiedliche, durch den Menschen verursachte Belastungen der Gewässer reflektieren. Es sind die Fische, die wirbel-losen Wassertiere, die sichtbaren Wasserpflanzen gemeinsam mit dem Aufwuchs und die schwebenden Algen (Phytoplankton) einzubeziehen. Neben der in Deutschland fast flächendeckend verbreiteten Belastungsart, der strukturellen Ver-bauung der Fließgewässer [Stamm06], bewirkt ebenso wie in Seen die übermäßige Nähr-stoffzufuhr eine wesentliche Degradation der Lebensgemeinschaften. Die Nährstoffbelastung der Flüsse, ermöglicht ein übermäßiges Wachstum der Wasserpflanzen, insbesondere des Phyto-planktons, und wirkt bis in die Meere hinein. Die Eutrophierung von Gewässern tritt nur dann durch Algenblüten oder nicht standorttypische Arten, wie Blaualgen in Erscheinung, wenn nicht andere Steuerfaktoren deren Wachstum begrenzen. Während das Wachstum des Phytoplanktons in Seen selten durch andere Faktoren als den verfügbaren Nährstoffen begrenzt wird, sind in den meisten Fließgewässern die Wachstumsbedingungen aufgrund geringer Wasserverweilzeit und Beschattung nicht optimal. Dadurch bilden sich in Flüssen andere Lebensgemeinschaften (Biozönosen) als in Seen heraus. Die Wechselwirkungen zwischen den Biozönosen in Fließgewässern mit denen der angebunde-nen Seen machen eine ganzheitliche ökologische Bewertung von Oberflächengewässer-systemen nötig. Dies wurde aber bei der Entwicklung der neuen Bewertungsverfahren zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie kaum berücksichtigt: Stattdessen wurden die Verfahren getrennt voneinander und mit unterschiedlichen Ansätzen für Seen [Nixdorf et al. 05] und für Flüsse [Mischke & Behrendt05, Mischke06] entwickelt. Sie führten allerdings, wie in diesem Beitrag dargestellt, zu vergleichbaren Orientierungswerten der Nährstoffkonzentration für den referenznahen Zustand von Flussseen und Tieflandflüssen. In dem Landschaftsraum der Nord- und ostdeutschen Tiefenebene sind natürliche Fluss-Seen-Gewässersysteme weit verbreitet [Börner06, Köhler 06]. Zur Erstellung von Bewirtschaftungs-plänen dieser Systeme müssen Kenntnisse der Wechselwirkungen betreffend der Retention und Rücklösung der Nährstoffe, der Überlebensfähigkeit der Biozönosen in dem jeweils anderem Habitat sowie der zu erwartenden Trophie im sehr guten Zustand erarbeitet werden. Dieses Wissen ist bisher lückenhaft. Bisherige Versuche zur Kategorisierung der Wechselwirkungen der Abschnitte in diesen Gewäs-sersystemen sind an der Vielfalt der tatsächlich im Naturraum anzutreffenden Gewässerarten gescheitert. Eine ähnliche Vielfalt tritt bei künstlich aufgestauten Fließgewässern auf, deren veränderte Wasseraufenthaltszeiten u.a. zur Folge haben, dass diese Fließgewässerabschnitte in seen-ähnliche Gewässer verwandelt werden [Mischke et al06]. Der vorliegende Beitrag stellt den aktuellen Stand des Wissens bezüglich der Bewertung von Fließgewässern mittels Phytoplankton dar, und verweist auf Lösungsansätze für die Bewertung ganzer Gewässersysteme mit an- und eingebundenen See in der norddeutschen Tiefebene.
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